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Leseprobe

Das Alter

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Wir alle wollen lange leben, wir wollen alt werden, bevor wir diese Welt verlassen. Aber wir verabscheuen das Altsein.

Denn im Alter
  • versagen die Verstandeskräfte,
  • lässt das Gedächtnis nach,
  • stellen sich unweigerlich diverse Krankheiten ein,
  • die normalen Altersbeschwerden eben,
  • wird man in jeder Hinsicht langsamer und unbeweglicher,
  • wird das Leben immer weniger lebenswert.

Richtig?
Die meisten Menschen glauben, dass diese Aufzählung genau zutrifft. Und weil dieser Glaubenssatz allgemein vorherrschend ist, bewahrheitet er sich auch allgemein als richtig. Das heißt, die meisten Menschen werden mit zunehmendem Alter fast zwangsläufig immer kränker, ihre Verstandeskräfte lassen nach, sie werden langsamer und ihr gesamtes Leben wird immer freudloser und beschwerlicher.

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Das Ansehen des nicht mehr jungen Menschen bemisst sich daran, wie jung geblieben er sich gibt und aussieht. Heutzutage wird zu Werbezwecken manchmal der Versuch unternommen, das Image der Alten zu verbessern. Das sieht dann so aus, dass ein deutlich älteres Paar in Jeans und Lederjacke und mit wilder Frisur auf einem heißen Motorrad sitzt und einen flotten Spruch loslässt, sinngemäß: Wir sind nicht alt, wir sind jung für immer, oder so. Ja klar, man kann die Alten voll akzeptieren – unter der Voraussetzung, dass sie aussehen wie die Jungen und tun, was die Jungen tun.Wo immer man heute versucht, die Alten liebenswert erscheinen zu lassen, lässt man sie jugendlich auftreten. Jung sein ist die einzig akzeptable Lebenseinstellung. Alt sein geht gar nicht.

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Man ist in bestimmten abgeschiedenen ländlichen Gegenden auf die Tatsache gestoßen, dass dort Menschen leben, die in der Mehrzahl 100 Jahre und älter werden und dabei gesund und agil bleiben. Das ist dort ganz normal. Wissenschaftler wollten dafür die Ursache finden. Aber weder der Knoblauch, noch der Rotwein oder die saubere Luft konnten als Ursache genügen. Die tatsächliche Erklärung ist die Abgeschiedenheit von der modernen Zivilisation mit ihrem Jugendwahn. Bei diesen Menschen ist alt sein etwas Wünschenswertes und mit Respekt verbunden. Dort glaubt einfach keiner, auch die Jungen nicht, dass die Jugend mehr wäre und mehr Geltung hätte als das Alter. Dort glaubt man einfach – noch – nicht, dass im Alter Körper und Geist nachlassen. Der alte Mensch ist und gilt mehr als der junge. Das ist die Bedingung und die Ursache.